CfP - We are family - Gesellschaft, Politiken und Familienleben
Call for Papers - Special Issue: We are family - Gesellschaft, Politiken und Familienleben [PDF]
Herausgeberschaft:
Prof. Dr. Andreas Hadjar, University of Fribourg, Switzerland
Dr. Maurizia Masia, University of Fribourg, Switzerland
Submission of Abstracts: 15 October 2026
Submission of Full Papers: 31 August 2027
Publication of the Issue: Spring 2028
Familiale Lebensformen durchlaufen in den letzten dreissig Jahren einen tiefgreifenden Wandel. Klassische Familienmodelle – hauptsächlich die Kernfamilie bestehend aus Vater, Mutter und den gemeinsamen leiblichen Kindern – verlieren zunehmend ihre dominante Stellung, auch wenn sie in Politik und Gesellschaft, insbesondere in der Schweiz, weiterhin bedeutsame gesellschaftliche Leitbilder darstellen. Gleichzeitig ist eine Pluralisierung von Familienformen zu beobachten, die traditionelle familiale Strukturen in Frage stellt und nicht-konventionelle Familienformen, wie etwa Konsensualpartnerschaften, alleinerziehende Elternteile, Patchworkfamilien, hervorbringt. Die kontinuierlichen hohen Auflösungsraten von ehelichen Gemeinschaften führen zudem dazu, dass Menschen nach dem Ende einer Beziehung zunehmend neue Partnerschaften eingehen. Dabei werden häufig auch Kinder aus früheren Beziehungen einbezogen, sodass sich unterschiedliche familiale Arrangements ergeben (Vaskovics 2020). Mit Rückgriff auf sozialwissenschaftliche Forschungsergebnisse lassen sich diese Trends auf demografische und gesellschaftliche Wandlungsprozesse zurückführen (u. a. Peuckert 2013), die zugleich eine Transformation etablierter Familienkonzepte markieren.
Normative Vorstellungen von Familie als biologisch und rechtlich klar abgegrenzter Einheit weichen zunehmend offeneren, fluideren und individualisierten Modellen des familiären Zusammenlebens (vgl. Peukert et al. 2018). Insofern ist Familie nicht nur als festgefügte Struktur, sondern als dynamischer Prozess zu begreifen, die im Alltag und über den Lebensverlauf hinweg immer wieder aktiv hergestellt, verhandelt und an neue Gegebenheiten angepasst werden muss (u. a. Morgan 2011). Dieser Sachverhalt markiert einen Wandel tradierter Rollenbilder und Lebensentwürfe (Welzel & Inglehart 2007), die die politische Verwirklichung familienpolitischer Massnahmen erleichtern kann (Lewis 2007).
Aktuelle Beispiele lassen sich in der Schweiz beobachten, etwa die Einführung der «Ehe für alle» sowie die rechtliche Möglichkeit zur gemeinsamen Adoption für Paare gleichen Geschlechts. Ähnliche Entwicklungen sind auch in anderen Ländern zu verzeichnen. Ferner kann nach Pfau-Effinger (2005) davon ausgegangen werden, dass politische Reformen ihrerseits auf Normen und Lebensmodelle wirken, indem sie bestimmte Familienformen fördern, legitimieren oder überhaupt erst ermöglichen.
Für dieses Special Issue sind insbesondere Beiträge willkommen, die sich mit sozialem Wandel und der Vielfalt familialer Lebensformen sowie mit biografischen Übergängen im Familienverlauf befassen, auch im Kontext nicht-konventioneller Familienformen. Ebenso interessieren uns Analysen politischer und rechtlicher Rahmenbedingungen (z. B. Sexualstrafrecht, erweitertes Adoptionsrecht) sowie gesellschaftlicher Faktoren, die Chancen und Herausforderungen für Familienangehörige in unterschiedlichen familialen Lebensformen beleuchten. Beiträge, die digitale Entwicklungen im familiären Alltag untersuchen, sind ebenfalls erwünscht. Wir begrüssen ausdrücklich innovative methodische Zugänge – etwa längsschnittliche quantitative Analysen, Mixed Methods, qualitative Biografieforschung oder policy-analytische Ansätze –, um den Wandel von Familienstrukturen und seine sozialpolitischen Implikationen umfassend zu beleuchten.
Für unser thematisches Sonderheft sind verschiedene Beiträge in Deutsch oder Englisch willkommen:
- Theoretische und methodische Artikel aus der Forschung zum Thema
- Empirische Untersuchungen aus zeitlicher Perspektive und/oder internationaler Perspektive
- Empirische Untersuchungen zu Sozialpolitiken hinsichtlich der Thematik
Einreichungsfristen und Richtlinien
15. Oktober 2026: Bitte reichen Sie eine Zusammenfassung von 500 Wörtern ein, einschließlich Hintergrund, Theorie, Methoden, (vorläufige) Ergebnisse und Schlussfolgerung (bitte anpassen, wenn Sie einen konzeptionellen oder methodischen Artikel schreiben), zusammen mit Ihrer Affiliation und Ihren Kontaktinformationen. Wir werden Sie bis Ende Oktober 2026 benachrichtigen, wenn Ihr Abstract akzeptiert wurde.
31. August 2027: Einreichungsfrist für die ausgewählten Beiträge (full papers) ist der 31. August 2027. Um Ihre Arbeit einzureichen, gehen Sie bitte auf sozialpolitik.ch und folgen Sie den Anweisungen («Publizieren») sorgfältig.
Alle Beiträge unterliegen dem Double-Blind Peer-Review-Verfahren von sozialpolitik.ch.
Ausgewählte Autor:innen werden eingeladen, ihre Arbeit im Frühjahrsemester 2027 (Februar – Mai 2027) an der Universität Freiburg (Schweiz) vorzustellen.
Frühling 2028: Veröffentlichung auf sozialpolitik.ch
sozialpolitik.ch ist eine wissenschaftliche Zeitschrift, die alle Felder der Sozialpolitik und des Sozialstaates behandelt. Sie ist peer-reviewed und DOAJ-indexiert.
Kontakt und Abstract-Einreichung
Andreas Hadjar, University of Fribourg, Switzerland, Mail: andreas.hadjar@unifr.ch
Maurizia Masia, University of Fribourg, Switzerland, Mail: maurizia.masia@unifr.ch

