Frühkindliche Bildung und Erziehung zur Solidarität: eine Black Box

Margrit Stamm

In die frühkindliche Bildung werden grosse Hoffnungen gesetzt, sie vermöge einen entscheidenden Beitrag zur Startchancengleichheit aller Kinder zu leisten. Implizit geht man davon aus, dass dabei Partizipation eine bedeutsame Rolle spielt und daraus solidarisches Handeln erwächst. Obwohl die Corona-Krise die Metapher der praktizierten Solidarität geschaffen hat, gilt es abzuwarten, ob die Diskussion wichtiger, bisher vernachlässigter Parameter zukünftig eher berücksichtigt werden: erstens die Tatsache, dass Kinder aus der Mittelschicht meist bessere Lernvoraussetzungen

haben und deshalb stärker von frühen Förderangeboten profitieren als Kinder aus sozial benachteiligten Milieus. Zweitens ist der aktuell praktizierte intensive Erziehungsstil in Familien und Kitas fast ausschliesslich auf das individuell einzigartige Kind und seine Bedürfnisse ausgerichtet, weshalb Erziehung zu solidarischem Verhalten einen schweren Stand hat. Zusammengenommen droht die Vorschulkindheit zu einem Schlüsselbereich der Reproduktion von Bildungsungleichheit zu werden und auch zu verpassen, die Kinder zu solidarischem Verhalten als wichtige Lebenskompetenz anzuleiten.

Keywords: Frühkindliche Bildung, Chancengleichheit, Solidarität, Bildungsambitionen, Bildungsbenachteiligung, Ethnozentrismus

DOI: http://dx.doi.org/10.18753/2297-8224-175


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